Verein der Heimatfreunde Niederaußem - Auenheim e.V.
Verein der Heimatfreunde Niederaußem - Auenheim e.V.

 

Der Ordenshof

    Seine Geschichte und Bewohner

 

 

 

1908 gründete Robert von Molesme mit Alberich von Citeaux und Stephan Harding und ca. 18 weiteren Mönchen mit Unterstützung von Herzog Odo I von Burgund das Kloster Citeaux, welches ca. 25 km südlich von Dijon liegt. Unzufrieden mit der inzwischen laschen Lebensweise der Benediktiner wollten sie wieder zur wörtlichen Befolgung der Benediktinerregel „Ora et labora“ (Bete und arbeite) zurückkehren. Sie trennten sich von den Benediktiner und gründeten den Zisterzienserorden. Die Zisterzienser setzten dem öffentlichkeitswirksam zelebrierten Gebetsleben der Benediktiner Einsamkeit, Armut und körperliche Arbeit entgegen. Bewusst kehrten sie zu einer einfachen Liturgie zurück. Von dem Muttekloster Citeaux  aus erfolgen gut 15 Jahre später 4 weitere Klostergründungen, u.a. Clairvaux (Bernhard) und Morimont. Jedes gründete wieder weitere „Tochter-„ und „Enkel-„Klöster in ganz Europa, bis 1151 sind insgesamt 307 Klöster entstanden.

Das Kloster Kamp war die erste Gründung eines Klosters der Zisterzienser auf deutschem Boden. Erzbischof Friedrich von Köln stellte am 23. Januar 1123 die Stiftungsurkunde aus und beauftragte seinen Bruder Abt Arnulf von Morimond mit der Entsendung von Mönchen. Der gemeinsame Bruder Heinrich reiste daraufhin mit 12 Mönchen an den Niederrhein. Sie brachten alles Notwendige für den Gottesdienst und die tägliche Arbeit, aber auch wertvolle Reliquien (z. B. die Reliquie der Hl. Agatha) mit.

Die ersten Jahre waren sehr entbehrungsreich, da das Land gerodet und Sümpfe trocken gelegt werden mußte. Schon der zweite Abt, Theoderich (1137 - 1177) legte aber in seinen frühen Amtsjahren den Grundstein für den Erfolg; es entstanden landwirtschaftliche Großbetriebe - die Grangien - in Götterswick bei Voerde, Hönnepel bei Kalkar, sowie Auenheim und Gommershoven bei Bedburg.

Der Zulauf an Mönchen war sehr groß. Insgesamt wurden 15 Tochterklöster direkt von Kamp aus gegründet und im Laufe der Zeit gab es über 60 Klöster in Deutschland und noch 24 Zisterzienserinnenklöster, die der Aufsicht des Kamper Abtes unterstanden. 1133 wurde z.B. in Odenthal die Abtei Altenberg gegründet.

1137 schenkte der edle Ritter Raymund  bei seinem Eintritt in das Kloster Kamp  der Abtei seinen Hof „Gumbretsheim“ ( das heutige Gommershoven). Papst Innovent II bestätigt in seiner päpstlichen Bulle vom 16.4.1139 der Abtei Kamp den Besitz des Hofes Gumbretsheim.

 

In Auenheim war um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine Familie von Boike sehr begütert.

Uda von Broike (= von Broich), die mit Arnold von Berg, Graf von Deutz und Hövel verheiratet war, gab vor 1143, bevor ihre Tochter Adelheid in das Benediktinerloster Rolandswert (jetzt Nonnenerth) eintrat,  einen Hof in Auenheim als Mitgift und verkaufte dem Kloster 1187 vor dem Gericht von Sayn einen weiteren Hof für drei Mark.

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Seit ihren Anfängen sagte man den Zisterzienser ein besonderes Geschick für die Landwirtschaft und Archtitektur nach. Im Gillgau gründeten sie den ersten Hof in Gommershofen. Von hier aus rodeten sie die Wälder des Villerückens und legten die Sümpfe am Gillbach trocken. Die fränkischen Adligen traten zum Christentum über und beschenkten die Klöster mit Land. Der 6. Abt des Klosters Kamp, Gerlach (1206 – 1220) berichtet in einer Urkunde von einem Hof und Land in Auenheim. Diese Hofstelle ist noch heute erhalten und liegt auf einer Anhöhe zwischen Rath und Bedburg.

 

Papst Innocenz III. bestätigte am 8. November 1213 in einer päpstlichen Bulle ,dem Kloster die ihm von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien und Grundbesitz seiner Höfe, unter denen auch Auenheim genannt wird. Der Hof hatte zu dieser Zeit 279 Morgen Ackerland. In einer Urkunde des Klosters Rolandswert werden in Auenheim 2 Höfe genannt. Nach dem Bau des großen Mönchshofes in der Gemarkung Hüchelhoven verkauften die „Grauen Mönche“ im Jahre 1280 den Ordenshof an den Deutschen-Ritter-Orden.

 

 

Der Besitz des Ordens wurde von Pächtern bewirtschaftet. Sie mussten die Hälfte der Ernte als Pachtzins abgeben. Daher der Name „Halfe“ oder „Halfmann“. In einem Pachtvertrag von 1650 zwischen dem Deutschen-Ritter-Orden und dem Halfen Johann Heinrich Mohr wird der Hof als „Helmeshof“ bezeichnet. Helmes ist im Dialekt die Abkürzung für den Vornamen Wilhelm. Dies ist der erste Hinweis auf den Namen eines Halfen.

 

 

Zu dieser Zeit – also 1650 – war Johann Heinrich Mohr mit seiner Frau Adelheid Deutzmann auf dem Ordenshof. Sie hatten drei Kinder. Als er früh verstarb, heiratete sie den Adam Krosch , Halfe  vom Hermeshof zu Hermülheim. Beide hatten noch vier Kinder, die alle in Halfenfamilien einheirateten. Adelheid Krosch, geb.  Deutzmann blieb bis ins hohe Alter auf dem Hof und übergab ihn ihrer Enkelin Adelheid (* 1695, + 1774,Tochter von Winand Krosch und Elisabeth geborene Evertz),  die wahrscheinlich auch ihr Patenkind war. Sie heiratete 1711 Johann Adolf Hambloch (*1694,

+ 1756). Mit ihm kam ein Mitglied der weit verzweigten Halfenfamilie Hambloch nach Auenheim. Aus dieser Ehe gingen 7 Kinder hervor.

 

 

 

Am 28. April 1797 heiratet  Anna Margaretha Petronella Hambloch den Gerhard Wahlers. Er war Sohn von Heinrich Wahlers und Maria Margaretha Meller. Anna Margarteha Petronella Hambloch war die älteste Tochter von Johannes Adolph Hambloch ( Sohn von Heinrich Hambloch , Halfe von Groß-Mönchshof und seiner Ehefrau Petronella, geb. Bungs) und seiner Ehefrau Adelheid Sinsteden.

 

 

Der Ordenshof wurde 1788 in seiner heutigen äußeren Form errichtet. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass ein Brand das Gebäude zerstört hat. Das Wappen über der Eingangstür des Hauses ist das Wappen des Baron Ignaz Felix von Roll zu Bernau. Er war zu dieser Zeit Landkomtur des Deutschen-Ritter-Ordens und ein persönlicher Freund des Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August von Köln, der auch Hochmeisterdes Deutschen Ordens war.

Wappen der Familie von Roll zu Bernau

 

Im Jahre 1769 war die Auenheimer Kirche baufällig und für die große Pfarrgemeinde, sie umfasste die Dörfer Frauweiler, Garsdorf, Montagsend, Rath und das Rittergut Asperschlag, zu klein geworden. Sie wurde im April 1769 abgebrochen und im November des gleichen Jahres war die erste heilige Messe in der neuen Kirche. Das Wappen des Deutschen Ordens und das des Baron von Roll sind an der Ostseite des Gotteshauses eingelassen.

 

 

Nach dem Einmarsch der französischen Truppen unter Napoleon begann die Säkularisation. Das gesamte Vermögen der Kirchen wurde verstaatlicht, die Klöster und Orden wurden aufgelöst und ihre Ländereien verkauft.

 

So wurde auch der Ordenshof am 14. Oktober 1806 als Mitgift der Ehrenlegion erklärt und an den Halfen Gerhard Wimmar Wahlers für 874,04 Franc verkauft. Die Gräber der Familie Wahlers sind bis heute auf dem Kirchhof an St. Medardus in Auenheim erhalten.

 

Inschrift: Adolf Wahlers
geb. 12.dez.1799
gest. ? ? 1883
Anna Wahlers
geb. Schüller
geb. 9.Juni 1808
gest. ?. Feb. ?

 

 

Inschrift: Ruhestätte der Eheleute Wahlers
Gutsbesitzer Helmeshof
zu
Auenheim
und deren Tochter
Maria Magadalena
Sie ruhen in Frieden
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auf der linken Seite steht:

Petronella Wahlers
geb. Hambloch
geb. den 17. Mai 1774
gest. den 15.Sept, 1834
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auf der rechten Seite steht:
Gerhard Wahlers
geb. den 3. Dez. 1755
gest. den 11.Jan.1826

 

Von Gerhard Wahlers erbte der älteste Sohn Johann Adolf Wahlers den Hof. Er war verheiratet mit Anna Schüller. Von ihnen ist uns eine Tochter, Anna Barbara Hubertine, geboren 1848, bekannt. Sie heiratete den drei Jahre älteren Wilhelm Außem aus Niederaußem. Er war Gutsbesitzer auf dem dortigen Meulshof. Er überlebte seine Frau um zwei Jahre und starb 1927.

 

 

Den Ordenshof in Auenheim und den Meulshof in Niederaußem erbte, da die Ehe kinderlos war,der Neffe Rudolf Schüller. Er war der Sohn der Eheleute Heinrich Schüller und Helene Wahlers. Rudolf Schüller heiratete am 25. Juni 1927 die Josefine Wolter aus Niederaußem. Auch ihre Ehe blieb kinderlos. Der Helmeshof hatte nun im Volksmund den Namen „Schüllerhof“.

 

 

Da Rudolf Schüller auf dem Meulshof in Niederaußem wohnte, wurde der Hof in Auenheim verpachtet. Ihn übernahm die Familie von Werth. Von nun an wurde er „Werthhof“ genannt.

 

Da die meisten Ländereien dem Tagebau Fortuna-Garsdorf zum Opfer gefallen waren, verkaufte Rudolf Schüller den Hof am 30. Januar 1951 an die Stadt Bedburg. Die Scheune, der große Torbogen und die Stallungen wurden abgebrochen.

 

 

Im Abschluss-Stein des Torbogens sind die Buchstaben A.M. SKS und die Jahreszahl 1868 eingemeißelt.

 

 

Auf dem Gelände des Nutzgartens und des Obstgartens wurde eine Volksschule gebaut. Im Wohnhaus wurden von der Stadt Bedburg 4 Schlichtwohnungen eingerichtet.

 

Als nach dem Köln-Gesetz, Auenheim 1975 an die Stadt Bergheim fiel, war der Ordenshof abbruchreif. Auf Bestreben des Vereins der Heimatfreunde Niederaußem-Auenheim und des Ortsvorstehers Klaus Gülden wurde das ganze Haus von der Stadt Bergheim zu einem Bürgerhaus umgebaut. Von nun an hatte das Haus den Namen „Ordenshof“ in Anlehnung an seinen langjährigen Besitzer – den Deutschen Ritterorden -.

 

Heute ist der Ordenshof ein gern genutztes Bürgerhaus in der Stadt Bergheim für Vereine und Privatfeste. Die Räume können angemietet werden. Jährlich besuchen viele Menschen den Ordenshof in Auenheim, der weit über die Grenzen der Stadt Bergheim bekannt ist.

Die Heimatfreunde aus Niederaußem-Auenheim haben einen uralten Backofen von der Familie Erken, aus Niederaußem bekommen. Die ehemalige Bäckerei stand auf der Oberaußemer Straße, wo heute das Mehrfamilienhaus - neben Uerlich - steht.

 

 

Mit großem Aufwand wurde die große Naturstein-Platte ( Eifeler Tuff) aus der alten Backstube von Niederaußem nach Auenheim transportiert. Alle Backofenteile wurden wieder fachgerecht in Auenheim in das kleine Backhaus neben dem Ordenshof eingebaut. In diesem Backofen wird bei Veranstaltungen am Ordenshof heute wieder leckeres Steinofenbrot gebacken.

Im November 2017 wurde das Dach des Kreuzes erneuert.

Quelle :

Chronik , Herausgeber  Verein der Heimatfreunde von Niederaußem und Auenheim e. V. von 1974- Stand: Juli 2011 ,

Heimatblätter 2002/3

"De Stad van Berghem" von Volker Schüler

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